Service für Selbsthilfegruppen.

Zum internen Bereich

Selbsthilfe ist ein wesentlicher Bestandteil des Gesundheitssystems.

In Selbsthilfegruppen schließen sich Menschen mit einem gemeinsamen oder ähnlichen Problem bzw. der selben oder ähnlichen Erkrankung zusammen. Sie stärken sich gegenseitig und versuchen, sich aus ihren eigenen Erfahrungen heraus zu helfen. Auf diese Weise sind Mitglieder von Selbsthilfegruppen „Experten in eigener Sache“ beziehungsweise werden dies im Laufe der Zeit – ob als Betroffene oder Angehörige

Sie möchten eine Selbsthilfegruppe gründen?

Vorweg: Selbsthilfegruppen sind kein Jammerverein

… und sie bieten keine „ach, ich bin so arm“-Treffen. Selbsthilfe sieht sich nicht als Konkurrenz, sondern als erfahrungsorientierte Ergänzung zum professionellen Gesundheitswesen (Kliniken, Ärzte, Therapeuten etc.)

Mitgliedschaft im Dachverband NÖ Selbsthilfe

Die Mitgliedschaft im Dachverband NÖ Selbsthilfe ist nicht verpflichtend, bringt jedoch zahlreiche Vorteile mit sich.

  • Kostenlose Aus- und Weiterbildung
  • Einladung zu Vernetzungstreffen (z.B. Selbsthilfe-Workshops, Fachexkursionen, INFO-Stammtische, Selbsthilfe-Landeskonferenz …)
  • Möglichkeit zur Projektförderung (Entscheidung durch den Förderbeirat)
  • spezielle Möglichkeit zur Förderung von Projekten der Sekundär- und Tertiärprävention (Entscheidung durch den Förderbeirat)
  • kostenlose Kopien, doppelseitig, A4 auf 80g-Papier (oder auf einm von der SHG bereit gestellten Papier)
  • regelmäßige Information über aktuelle Neuerungen
  • Verlinkung auf der Dachverband-Homepage und Weitergabe der Kontaktdaten
  • Möglichkeit der Raumnutzung in den 27 niederösterreichischen Landes- und Universitätskliniken

Die Mitgliedschaft im Dachverband NÖ Selbsthilfe ist kostenlos und mit keinen weiteren Verpflichtungen verbunden (ausgenommen Logos – siehe „Kooperation“). Wenn Sie Interesse haben, eine Selbsthilfegruppe zu gründen oder mit einer bestehenden SHG Mitglied beim Dachverband NÖ Selbsthilfe zu werden, wenden Sie sich bitte an das Büro-Team – siehe Kontakt. Wir laden Sie gerne auf ein persönliches, unverbindliches Kennenlern-Gespräch zu uns ins Büro nach St. Pölten ein.

Über die Aufnahme einer SHG in den Dachverband NÖ Selbsthilfe entscheidet der Vorstand.

Wir im Dachverband NÖ Selbsthilfe sind mit Menschen unterschiedlichster Krankheitsbilder in Kontakt – von ADHS über Herzkrankheiten und Schwerhörigkeit bis hin zu Zöliakie. Wenn Sie die Gründung einer Selbsthilfegruppe für Ihre Krankheit andenken, laden wir Sie herzlichst auf ein unverbindliches Gründungsgespräch zu uns ins Dachverband-Büro nach St. Pölten ein. Wir stehen gerne für Ihre Fragen zur Verfügung, hören uns Ihre Erfahrungen an und helfen Ihnen, soweit uns dies möglich ist.

Der offizielle Ablauf
  • Gruppengründungsgespräch – Terminvereinbarung erforderlich, Dauer: ca. 1 Stunde
  • Sie füllen die Beitrittserklärung aus
  • diese wird bei der nächsten Vorstandssitzung vorgelegt
  • der Vorstand entscheidet über die Aufnahme Ihrer SHG als Dachverband-Mitglied
  • zeitnah erhalten Sie anschließend ein offizielles Schreiben
  • ab diesem Moment stehen Ihnen alle Vorteile dieser Mitgliedschaft im Dachverband NÖ Selbsthilfe zur Verfügung (vorbehaltlich einem positiven Vorstands-Beschluss)

Der Vorstand kann bei Aufnahme neuer Mitglieder eine Probezeit bis zum 31.12. des der Aufnahme folgenden Kalenderjahres bestimmen. In diesem Fall gilt das Vereinsmitglied als vorläufiges Mitglied für die Dauer der Probezeit. Fasst der Vorstand bis zum Ablauf der Probezeit einen Beschluss über die endgültige Aufnahme des Mitglieds, so wird dadurch die vorläufige Mitgliedschaft in eine endgültige Mitgliedschaft umgewandelt. Andernfalls erlischt die vorläufige Mitgliedschaft automatisch mit dem Ende der Probezeit.

Gründung einer Selbsthilfegruppe.

  • sie wollen mit ihrer Arbeit keinen Gewinn erwirtschaften
  • regelmäßige Gruppentreffen sind geplant
  • die Teilnahme an SHG ist kostenlos (vorbehaltlich möglicher Unkostenbeiträge)
  • Gleichberechtigung aller Mitglieder
  • Beseitigung der inneren (seelischen) und äußeren (gesellschaftlichen) Isolation
  • Ziele der SHG richten sich auf deren Mitglieder, nicht auf Außenstehende
  • keine professionelle Leitung, jedoch oftmals Einladung von Experten zu Vorträgen und Gesprächsrunden
  • die meisten SHG sind im Gesundheitsbereich tätig, beschäftigen sich jedoch über die Krankheit hinweg auch mit psychischen und sozialen Problemen
  • jede SHG bestimmt ihre Vorgehens- und Arbeitsweise sowie die Organisationsform (z.B. Verein) selbst
  • neben Gruppentreffen werden oftmals auch andere Veranstaltungen und Aktivitäten angeboten: Wanderungen, Tagesausflüge und Mehrtagesurlaube, Vorträge, Fachexkursion etc.
  • die Aufarbeitung der Krankheit erfolgt teils auf dem Selbsthilfe-Prinzip, teils mit Unterstützung von Experten aus dem Gesundheitswesen
  • die SHG ist ein „geschützter“ Raum, in dem sich Betroffene vertrauensvoll im Gespräch austauschen können, ohne dass außenstehende Personen davon erfahren; Verschwiegenheit und Stillschweigen nach außen ist eine wesentliche Basis der Selbsthilfe-Arbeit – „was hier in diesem Raum besprochen wird, bleibt auch in diesem Raum“
  • jeder Teilnehmer hat ein Recht darauf gehört und auf seine Weise akzeptiert zu werden
  • in SHG werden keine Empfehlung – beispielsweise für Medikamente, bestimmte Ärzte oder Therapeuten – abgegeben
  • Grundsätzlich: unterschiedliche SHG verfolgen unterschiedliche Ziele
  • Verbesserung ihrer persönlichen Lebensumstände, häufig auch ein Hineinwirken in ihr soziales und politisches Umfeld
  • Abbau von Barrieren
  • Entstigmatisierung von Tabu-Themen
  • Öffentlichkeit für die Krankheit sensibilisieren
  • gemeinsame Bewältigung ihrer Krankheit/Behinderung
  • Reduktion der Isolation des Einzelnen
  • Stärkung des Gemeinschaftsgedanken – „mir erging es ähnlich wie dir“
  • Lernen durch Erfahrungen von anderen Mitgliedern
  • durch die Bewältigung der eigenen Krankheit und Lebenssituation hat jeder eine Vorbildwirkung
  • mit eigenen Erfahrungen das professionelle Fachwissen von Ärzten und anderen im Gesundheitswesen tätigen Personen erweitern

Vorschriften oder fixe Regeln sind in der Arbeit von Selbsthilfegruppen kaum gegeben. Für manche Gruppen stehen gemeinsame Aktivitäten, für andere die Gruppengespräche im Mittelpunkt. Auch, ob sich die einzelnen Gruppenmitglieder mit ihrem vollen Namen oder nur per Vornamen vorstellen, bleibt der SHG überlassen. Aus Respekt den anderen Betroffenen gegenüber sollte man dennoch einige Dinge beachten:

  • jeder kann vertrauensvoll über seine Sorgen und sein Leid sprechen
  • faire Kommunikation (kein Zwischenreden …)
  • jeder soll zu Wort kommen, keiner MUSS sprechen
  • Reden lassen, Zuhören – es kann nur einer sprechen
  • Gespräche über nicht anwesende Personen vermeiden
  • Besserwisserei hat keinen Platz in der SHG
  • „Ratschläge“ vermeiden, eigene Erfahrungen weitergeben
  • Mut zur Ich-Form – „ich sehe dies so, ich habe dies erlebt …“
  • keine Bewertung mit „richtig“ oder „falsch“ beim Erfahrungsaustausch – jeder erlebt seine Situation und Krankheit auf persönliche Weise – dies gilt es unbedingt zu akzeptieren
  • üblicherweise offener Gesprächsverlauf
  • Respekt dem/der GruppenleiterIn gegenüber

Aus- und Weiterbildung

2022 gibt es neun Seminare zu interessanten Themen. VertreterInnen von Selbsthilfegruppen, die im Dachverband NÖ Selbsthilfe Mitglied sind, können daran kostenlos teilnehmen.

Programm jetzt ansehen (PDF)
Anmeldeformular laden (PDF)

Hinweis: die maximale Teilnehmerzahl ist mit 12 Personen pro Seminar beschränkt. Die Reihung der TeilnehmerInnen erfolgt nach dem Datum der Anmeldung.

Gütesiegel „Selbsthilfefreundliches Krankenhaus“.

Gemeinsam mit der NÖ Landesgesundheitsagentur und dem NÖGUS führt der Dachverband NÖ Selbsthilfe das Projekt „Selbsthilfefreundliches Krankenhaus“ durch. In allen NÖ Universitäts- und Landeskliniken ist ein/e SelbsthilfepartnerIn für die Belange der Selbsthilfegruppen zuständig. Die Gruppen mit ihrem Erfahrungswissen werden als Partner der Kliniken anerkannt und eingebunden.

Seit 2014 sind alle NÖ Universitäts- und Landeskliniken mit dem Gütesiegel „Selbsthilfefreundliches Krankenhaus“ ausgezeichnet. Damit nimmt Niederösterreich eine Vorreiterrolle in der Kooperation zwischen Krankenhäusern und Selbsthilfegruppen ein. Hier finden Sie Details zu den Selbsthilfe-PartnerInnen in den NÖ Universitäts- und Landeskliniken.

SelbsthilfePartner in den NÖ Kliniken

Noe-Gelb

Selbsthilfefreundliche Apotheke.

Im Jänner 2021 hat der Vorstand des Dachverbandes NÖ Selbsthilfe einstimmig beschlossen, die Apotheke Gmünd Neustadt als „1. Selbsthilfefreundliche Apotheke“ in Niederösterreich auszuzeichnen.

Damit möchte der Vorstand das ganz besondere Engagement von Frau Mag. pharm. Isabella Kitzler und ihrem Team in der Zusammenarbeit mit der Selbsthilfe würdigen.
Frau Mag. Kitzler setzt alle Qualitätskriterien für Selbsthilfefreundlichkeit erfolgreich um und fördert nachhaltig den Kontakt zwischen Patientinnen/Patienten und der Selbsthilfe.

Den Festakt mit der feierlichen Überreichung der Auszeichnung werden wir nachholen, sobald es die Corona-Bestimmungen erlauben.

Selbsthilfefreundliche Sonderkrankenanstalt.

In Anlehnung an das Gütesiegel „Selbsthilfefreundliches Krankenhaus“ wurden speziell auf die Bedürfnisse von Rehabilitationskliniken und deren PatientInnen abgestimmte Richtlinien für eine Zertifizierung als „Selbsthilfefreundliche Sonderkrankenanstalt“ erarbeitet.

Diese sollen die wichtigsten Aspekte der Selbsthilfefreundlichkeit abbilden und eine gute Orientierung bieten, wie die Zusammenarbeit zwischen Rehabilitationsklinik und der Selbsthilfe konkret gestaltet werden kann.
Das Therapiezentrum Buchenberg erfüllt nach eingehender Überprüfung diese Kriterien und wurde im Jahre 2019 seitens des Vorstands des Dachverbandes NÖ Selbsthilfe als 1. zertifizierte selbsthilfefreundliche Sonderkrankenanstalt in NÖ ausgezeichnet.
Seitens des Dachverbandes NÖ Selbsthilfe ist geplant, das Projekt auf weitere Sonderkrankenanstalten in NÖ auszudehnen.